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Windmenschen

Porträt Wind-Winzer Alexander Goriupp

01.10.2026

Porträt Wind-Winzer Alexander Goriupp

Alexander Goriupp verbindet zwei Welten: Unter der Woche arbeitet er an Windkraftanlagen auf der Soboth, am Abend und Wochenende kümmerter sich um seine Reben im eigenen Weinbetrieb in der Südsteiermark. Ein Gespräch über zwei Traumberufe, regionale Jobs und warum Windkraft und Wein erstaunlich gut zusammenpassen.

Du bist gerade einmal 27 Jahre alt und gleichzeitig Winzer und Windkraft-Projekttechniker. Wie kommt man zu dieser ungewöhnlichen Kombination?

Alexander Goriupp: Das hat sich Schritt für Schritt so ergeben. Unser Weingut ist seit 1933 im Familienbesitz. Ich habe schon als Kind meinem Opa im Weingarten geholfen. Gemeinsam mit meiner Freundin habe ich nun den Betrieb übernommen und wir bauen heute auf rund einem Hektar in Steinbach bei Gamlitz mehrere Weißweinsorten an. Unter der Woche arbeite ich bei der Energie Steiermark im Windkraftbereich, am Abend und am Wochenende bin ich Winzer.

Der Weinbau wurde dir also quasi in die Wiege gelegt. Wie ist im Vergleich dazu der Weg zur Windkraft entstanden?

Erneuerbare Energien haben mich immer schon interessiert. Bei unserem Umzug in die Südsteiermark habe ich die Stellenausschreibung der Energie Steiermark gesehen und vom ersten Tag an gewusst: Das ist genau mein Job. Die Windbranche war damit auch eine Chance, in meiner neuen Heimatregion meinem erlernten Beruf nachgehen zu können. Früher war ich als Elektrotechniker aber in ganz Österreich unterwegs. Heute arbeite ich großteils auf der Soboth. Für mich bedeutet das, in der Region leben und gleichzeitig an spannenden Zukunftsprojekten mitarbeiten zu können.

Was machst du konkret im Windpark?

Ich bin Teilprojektleiter für Wegebau und Kranstellflächen und vor allem beim Windpark Soboth-Eibiswald im Einsatz. 15 neue Windräder werden hier errichtet, die ab 2027 Strom für rund 50.000 Haushalte liefern werden. Gerade während der aktuellen Bauphase passiert unglaublich viel – da ist Teamarbeit das Um und Auf.

Was gefällt dir an deiner Arbeit in der Windbranche besonders?

Zu sehen, wie aus einem kleinen Forstweg Schritt für Schritt die Infrastruktur einer modernen Windkraftanlage entsteht, ist faszinierend. Und genauso spannend ist, wie nach dem Bau wieder renaturiert wird. Für mich ist die Windkraft eine Technologie mit Zukunft. Ehrlich gesagt: Ich habe mit Winzer und Windkrafttechniker gleich zwei Traumberufe gefunden.

Wie schafft man es aber, zwei so unterschiedliche Berufe unter einen Hut zu bringen?

So unterschiedlich, wie man glaubt, sind sie gar nicht. Für beide Berufe kann man eine enorme Leidenschaft entwickeln. Im Windpark schlägt mein Technikerherz und im Weingarten bin ich passionierter Winzer. Und das Wichtigste ist für mich: Beide Berufe spielen sich draußen in der Natur ab. Das ist genau das, was ich so liebe. Und manchmal ergänzen sich beide Welten auch, wenn ich zum Beispiel mit Grundstückseigentümern rede, die vielfach selbst Landwirte sind. Da spricht man auf Augenhöhe miteinander. Ich verstehe ihre Sichtweisen und Anliegen gut. Das macht vieles einfacher.

Bei einem deiner Einsätze auf der Soboth wurdest du auch als Lebensretter und „Ö3ver des Jahres“ bekannt. Was ist damals passiert?

Ja richtig, vor zwei Jahren waren eine Kollegin und ich nach einem Termin abends auf der Soboth unterwegs, als ich im Nebel neben der Straße ein Feuer im Wald bemerkte. Wir drehten um und fanden ein Auto, das bereits zu brennen begonnen hatte. Ich konnte den Fahrer noch rechtzeitig aus dem Fahrzeug ziehen, während meine Kollegin die Rettungskräfte verständigte. Wenige Minuten später stand das Auto in Vollbrand. Im Nachhinein ein unglaubliches Glück, dass wir genau in diesem Moment dort vorbeigekommen sind.

Zum Abschluss: Was möchtest du jungen Menschen mitgeben, die überlegen, in die Windbranche einzusteigen?

Wenn man Technik mag und gerne draußen arbeitet, sollte man sich dieses Berufsfeld unbedingt anschauen. Die Windbranche wächst, bietet sichere Arbeitsplätze und unglaublich spannende Aufgaben. Und es wird sich auch hier bei uns noch vieles tun in der Steiermark. Ich kann es jedenfalls nur empfehlen.